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Radverkehr

Radwege? wozu?

von Falko Schulte am 19.10.2012 | 11:52 | Kommentare: 7 |

Als Radfahrer bemängel ich die fehlenden bzw. unbrauchbaren Auffahrgelegenheiten auf Radwege und insbesondere die Wiedereingliederungsstreifen wenn ein Radweg endet. Unverständlich ist auch, das man auf Radwegen entlang von Vorfahrtstraßen bei Abzweigungen Vorfahrt zu beachten hat, während der Verkehr auf der Straße ungehindert passieren darf.
Meiner Meinung nach sind die bisher angelegten Radwege verschwendetes Geld und eher geeignet das Radfahren zu vergällen. Ich persönlich suche mir gezielt Strecken auf denen keine Radwege angelegt sind.
Insbesondere kombinierte Fuß- und Radwege beinhalten ein hohes Mass an Unfallrisiko.
Mein Eindruck ist vielmehr das Radwege für Autofahrer, nicht aber für Radler angelegt werden. Hauptsache man kann die benutzung der Straße für Radfahrer untersagen.

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Kommentare

jue71 am 26.10.2012 0:28:27

Ich schließe mich der Meinung an, dass Vorzugs- und Schutzstreifen (Unterschied s.  Link recht/radverkehr-gestalten/radverkehrsfuehrung/radfahrstreifen-und-schutzstreifen ) an vielen Stellen besser als Radwege sind. Diese zeigen deutlich, dass die Straße nicht den Autofahrern alleine gehören und die Radfahrer aber nicht mittels Radweg "aus dem Weg geräumt" werden.

Auf dem Radweg hat man an jeder Ein-/Ausfahrt, an jeder Querstraße ein Sicherheitsproblem, da viele Autofahrer erst die Bordsteinkante als Gefahrenlinie ansehen und nicht den Radweg, was im besten Falle mit einem behinderten Fortkommen des Radfahrers einher geht, im schlimmsten Fall zum Unfall führt.

Grob fahrlässig finde ich hierbei beispielsweise den kombinierten Rad-/Fußweg in der östlichen Bahnhofstraße Richtung Offenhausen: schlecht einsehbare Ausfahrten, aus denen jederzeit Autos oder Kinder kommen können sowie Hauseingänge, aus denen Kinder herausspringen können.

Ich verweise hierzu auch auf die einschlägige Literatur, wie z. B. "Empfehlungen für Radverkehrsanlagen" und auch  Link recht/radverkehr-gestalten/radverkehrsfuehrung/radweg-oder-strasse -bast-studie-zu-unfallrisiko-von-radfahrern
Letzteres berichtet von einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Zwei wichtige Fazits:

1) "Auf [baulich von der Fahrbahn abgesetzten Radwegen] ist die Zahl der Unfälle keinesfalls geringer als auf Radfahr- oder Schutzstreifen."

2) "wenn Behörden diese zum Teil verbindlichen Auflagen [von Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO), Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) u.a.] an die bauliche Ausgestaltung von Radwegen missachten, so besteht mit großer Wahrscheinlichkeit eine erhebliches Potenzial, als Radfahrer zu verunglücken."

 Link recht/gut-zu-wissen/unterwegs-mit-dem-rad/radwege-und-schutzstreifen

Für den Radverkehr hilfreich erweisen sich die Fahrradrouten z. B. zwischen Altem Friedhof und Ulmer Theater. Davon bitte mehr in alle Richtungen! Solche Routen reduzieren die Fahrtzeiten und machen den Radverkehr attraktiv.

In Neu-Ulm könnte ich mir z. B. die Kasernstraße als Radroute vorstellen: Sackgassen für KfZ mit Anwohnerparken, aber durchlässig für den Radverkehr!

In Neu-Ulm könnte ich mir auch vorstellen, dass der Radverkehr auf der grünen Brücke Vorfahrt bekommt, zuerst über die John-F.-Kennedy-Str. und Martin-Luther-King-Allee, später evtl. auch Bahnhofstr. und Kasernstr. - vielleicht sogar noch Augsburger Str.
Damit das der querende Verkehr auch wirklich berücksichtigt, könnte der Rad-/Fußweg die Straßen auf einer leichten Erhöhung queren.

Hilfreich wäre auch, dass die Wege anhängerfreundlich ausgestaltet werden:

1) Gängelgitter müssen der Vergangenheit angehören (z. B. Allgäuer Str. Richtung Gerlenhofen)

2) Bausünden wie der Zickzackkurs an der Brücke zur Landesgartenschau über die Europastraße sollten gar nicht entstehen. Warum kann man dies nicht statt mit zwei 180° Spitzkehren idealerweise mit einem großzügigen Bogen machen oder zur Not mit zwei Bögen? Dies würde auch den Winterdienst sicherlich deutlich erleichtern.

Ich denke, der ADFC kann und wird hier hilfreich zur Seite stehen.

Jimmy am 23.10.2012 14:54:17

Zitat Moderation: "Was könnte dazu beitragen, dass Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nehmen?"

Die Frage ist neutral formuliert. Sehen Sie die Notwendigkeit, mehr Rücksichtnahme von Fußgängern und Radfahrern gegenüber Autofahrern zu fordern? Ich glaube kaum. Folglich sollte besser gefragt werden "Was könnte dazu beitragen, dass Autofahrer mehr Rücksicht auf Fußgänger und Radfahrer nehmen?".

Meiner Meinung nach ist mit Appellen an die Einsicht wenig auszurichten. Es sind viel zu viele Personen beteiligt und im Einzelfall kann ein einzelner rücksichtsloser Autofahrer schon zur Gefahr für seine Umgebung werden.

Es bleiben m.E. nur bauliche Maßnahmen (starke Verengung von Fahrbahnen, Sperrung von Straßen für den Autoverkehr) sowie strikte und streng kontrollierte Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Moderation am 23.10.2012 8:52:44

Liebe Teilnehmende,
in vielen Fällen passieren Unfälle, weil verschiedene Verkehrsteilnehmer sich nicht umsichtig verhalten. Wie könnte langfristig eine Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer erzeugt werden? An anderer Stelle war bereits von spielerischen Elementen die Rede, die ein nachhaltiges Verhalten unterstützen könnten (  Link ).
Was könnte dazu beitragen, dass Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nehmen?

Viele Grüße,
Birgit Hohberg (Moderation)

Jimmy am 23.10.2012 7:42:22

Zitat Byzantiner: "Dass man auf einem Radweg entlang einer Vorfahrtstraße keine Vorfahrt hat, sind Ausnahmefälle; in UL/NU kenne ich keinen."

Im Stadtgebiet kenn ich keinen Fall, aber ein Beispiel aus dem Umland: Radweg Thalfingen - Oberelchingen, Einmündung aus dem Wohngebiet im Westen von Oberelchingen in die dortige Landstraße. Vor einigen Jahren hatte der Radweg entlang der Landstraße Vorfahrt. Die Einmündung ist jedoch für Autofahrer extrem großzügig dimensioniert, was vermutlich zu gefährlichen Situationen bei kreuzenden Radfahrern führte. Anstatt nun die Einmündung radfahrer-freundlicher zu gestalten wurde kurzerhand die Vorfahrtsregelung zugunsten der Autofahrer geändert - sehr ärgerlich! Das sollte unbedingt wieder geändert werden und ein entsprechender Umbau vorgenommen werden, z.B. durch Fahrbahnverengung oder eine Verkehrsinsel.

Zitat Byzantiner: "Anstatt den Radfahrern ihre Vorfahrt wegzunehmen muss ihnen an den Kreisverkehren das Linksherumfahren verboten werden..."

Warum denn das? Ich fahre oft linksherum auf dem Radweg um soche Kreisel. Das hat den großen Vorteil, dass ich den (Auto-)gegenverkehr sehe. Auf Vorfahrtsregelungen sollten sich Radfahrer ohnehin nicht verlassen, dazu sind Autofahrer viel zu unberechenbar.

Byzantiner am 22.10.2012 18:20:41

Dass man auf einem Radweg entlang einer Vorfahrtstraße keine Vorfahrt hat, sind Ausnahmefälle; in UL/NU kenne ich keinen.

Allerdings ist die seit 5-10 Jahren an den Neu-Ulmer Kreisverkehren praktizierte Vorfahrtsregelung ein großes Ärgernis.
Mit der Wegnahme der Vorfahrt für Radfahrer sollten die Unfallzahlen reduziert werden; leider ohne jeden Erfolg - der Allgäuer Ring ist weiterhin Spitzenreiter bei den Neu-Ulmer Fahrradunfällen. Die Umstelllung war nur für die Autohaftpflichtversicherungen ein Gewinn, denn wenn der Radler am Unfall schuld ist, müssen sie nichts zahlen.
Anstatt den Radfahrern ihre Vorfahrt wegzunehmen muss ihnen an den Kreisverkehren das Linksherumfahren verboten werden, das ist dort nämlich branntgefährlich und nur etwas für Lebensmüde.

Oft sind Radfahrstreifen bzw. Schutzstreifen (siehe z.B. Herdbrücke, Marienstr./Donaustr.) besser als bauliche Radwege, weil man vom Autoverkehr besser gesehen wird und der Übergang auf die Fahrbahn (z.B. beim Abbiegen) unkomplizierter ist. In Ulm und Neu-Ulm gibt es leider noch zu wenig von diesen sinnvollen Markierungen.

Jimmy am 19.10.2012 14:07:04

Ich habe ebenso wie Falko Schulte den Eindruck, dass Radwege manchmal ohne die notwendige Konsequenz angelegt werden. Es soll halt etwas für die Radfahrer getan werden, aber mit der Vorgabe, nur ja nicht den Autoverkehr zu beeinträchtigen. Das führt dann zwangsläufig zu den beschriebenen Engstellen.

Den idealen Radweg stelle ich mir so vor: breit, baulich vom Kfz-Verkehr getrennt, durchgängig befahrbar ohne Querungen.

Die idealen Straßen hierfür sehe ich in Wohngebieten. Hier könnten jeweils "Achsen" entstehen, die komplett vom Autoverkehr befreit werden und zu Fahrrad/Fußgänger/Spielstraßen werden.

Moderation am 19.10.2012 12:14:48

Hallo Falko Schulte,
was ist Ihrer Meinung nach nötig, um Radwege sicherer zu machen? Wie sollten diese gestaltet werden, damit sie auch gern genutzt werden?

Viele Grüße,
Birgit Hohberg (Moderation)

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