Wiki Stärkung Radverkehr allgemein

Kurzbeschreibung

In diesem Wiki wurden die Anregungen und Argumente rund um die allgemeine Stärkung des Radverkehrs gesammelt.

Beschreibung

In diesem Wiki wurden die Anregungen und Argumente rund um die allgemeine Stärkung des Radverkehrs gesammelt.

20 % Radverkehrsanteil 2020 muss aktiv gefördert werden

Es wird befürchtet, dass der Ulmer Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2011, der einen Radverkehrsanteil von 20 % anstrebt, nicht mehr verfolgt wird, da in den vorgestellten Szenarien maximal 14 % erreicht werden.
Während sich das Bündnis "FahrRad in Ulm" auf die Zielmarke 20% Radverkehr geeinigt habe, entwickle der VEP kein Szenario, mit dem die Zielmarke 20 % Radverkehr erreicht werden könne. Dies sei nur mit einer gleichzeitigen Einschränkung des MIV erreichbar.
Die Stadt Ulm ergänzt, dass die 20% politisch geäußert seien und die 14% ein rechnerisches Szenario wären. Das Aktionsbündnis sei momentan aktiv in verschieden Arbeitsgruppen, um die Potenziale des Radverkehrs für die Zukunft besser zu nutzen. Die 20% blieben dabei das Ziel des Aktionsbündnisses.

Hinzugefügt wird der Einwand, dass vor dem Hintergrund des Klimawandels, der beabsichtigten Energiewende und dem Motto "Global denken, lokal handeln" die Modalsplitszenarien nicht reichen. Eine Verschiebung um 3% (Szenario A) bzw. 4% (Szenario B) in Richtung ÖPNV/Rad/Fuß bis zum Jahr 2025 sei zu gering, denn immerhin gingen 18% des durchschnittlichen CO2-Ausstoßes eines Bundesbürgers auf den Verkehr zurück. Wenn die Zuwachsraten von Pkw in Deutschland im Jahr 2011 von 1,5% hochgerechnet würden, wird es im Jahr 2020 12,6% und im Jahr 2025 21,4% mehr Autos in Deutschland geben als heute. Die angestrebte Verschiebung im niedrigen einstelligen Prozentbereich sei im Vergleich dazu gar nicht spürbar. Eine echte Verbesserung müsste mit ganz anderen Größenordnungen operieren, z.B. mit Zielen wie "Halbierung des Pkw-Verkehrs". Hier wird jedoch darauf verwiesen, lieber mit den Zahlen eines Dudenhöffers zu arbeiten, der sich seit Jahr und Tag ausschließlich mit Verkehr beschäftigt und mit wissenschaftlichen Methoden arbeitet.

Im Vergleich der Ziel-Vorgaben der Gemeinde- und Stadträte beider Städte zur Verkehrsentwicklung mit dem Resultat der Planungen zeigt sich ein Teilnehmer enttäuscht: So würden die die Ziele „Stufenweise REDUKTION des MIV“, „FÖRDERUNG des FUSSGÄNGERverkehrs“, „20 % RADverkehrsanteil im Jahr 2020“ zum Teil weit verfehlt werden, während nur das Ziel „FÖRDERUNG des ÖPNV“ erreicht werde.

Umdenken zur Steigerung des Radverkehrs

Der Radverkehr sollte nicht nur als Verkehrsmittel für die Freizeit proklamiert werden („bei schönem Wetter von Müttern mit Kindern“) und auch nicht als Störfaktor, sondern als vollwertiges Verkehrsmittel neben MIV, ÖPNV und zu Fuß.

Es sei daher nicht hilfreich, über einzelne kleine Verbesserungen nachzudenken, über Parkmöglichkeiten zu sprechen und dem Radverkehr an manchen Stellen einen Vorrang einzuräumen. Radfahren sollte hingegen als ein gleichrangiges und gleichberechtigtes Verkehrsmittel für alle Lebenslagen gefördert werden, das (fast) ganzjährig einen Ersatz für den MIV darstellt. Dafür müsse der Radverkehr so ausgestaltet werden, dass er gefahrlos am Verkehr teilnehmen kann. Dies sei oft nur bei gleichzeitiger starker Verlangsamung des MIVs möglich (Beispiel: Mittelteil der neuen Straße).
Die Belastungsprobe für die Fragestellung zeige sich, wenn Vorbehaltsnetze für den MIV, den ÖPNV, den Fuß- und den Radverkehr sich kreuzen. Hier sollten deutliche Prioritäten zu Gunsten des Radverkehrs gesetzt werden.

Die Stadt Ulm ergänzt hier, dass das Thema Radverkehrsförderung im letzten Jahr durch das Aktionsbündnis FahrRad in Ulm einen gewaltigen Sprung gemacht habe, auch die Stelle eines Radverkehrsbeauftragten wurde eingerichtet. Leider könnten Veränderungen nicht von jetzt auf gleich umgesetzt werden. Das Aktionsbündnis unternehme aktuell vieles, um die Potenziale des Radverkehrs in Zukunft besser zu nutzen. Welcher Verkehrsträger zukünftig Vorrang bei einer Überlagerung von Vorbehaltsnetzen hat, müsse im Einzelfall geprüft werden.

Diese Anstrengungen werden auch honoriert, wichtig sei jedoch dass die Politik dieses Ziel auch in den Fachbereichen der Verwaltung konkret nachverfolge.

Verbindung mit weiteren Maßnahmen

In einem anderen Strang wird jedoch auch erörtert, ob der alleinige Ausbau der Fahrradwege wirklich mehr Leute zum Radfahren motiviert. Es wird vermutet, dass diese Aktivitäten mit weiteren aktiven Maßnahmen verbunden werden müssen, die Menschen vom Autofahren abhalten:

- Das KFZ müsste unattraktiver werden, z.B. teurere Parkplätze, teure City Vignetten, Parkhäuser außerhalb der Innenstadt

- stärkere Belohnung des Radfahrens, z.B. durch Auto freie aber mit Rad befahrbare Zonen, kostenlosen Radverleih an Park und Ride Plätzen, subventionierte Werkstatt-Bonis, Verkehrsregeln zugunsten der Radfahrer



Allgemeine Verbesserung der Radinfrastruktur

Mangelhafte Auffahrgelegenheiten:

Bemängelt werden beispielsweise fehlende bzw. unbrauchbare Auffahrgelegenheiten auf Radwegen und insbesondere die Wiedereingliederungsstreifen dort, wo ein Radweg endet.

Unklare Vorfahrtsregeln:

Unverständlich sei auch, dass Radfahrer entlang von Vorfahrtstraßen bei Abzweigungen die Vorfahrt zu beachten haben, während der Verkehr auf der Straße ungehindert passieren dürfe. Dies wird jedoch von anderen Nutzern angezweifelt und Beispiele aus dem Umland angeführt: Radweg Thalfingen - Oberelchingen, Einmündung aus dem Wohngebiet im Westen von Oberelchingen in die dortige Landstraße. Vor einigen Jahren habe der Radweg entlang der Landstraße Vorfahrt gehabt. Die Einmündung sei jedoch für Autofahrer extrem großzügig dimensioniert, was zu gefährlichen Situationen bei kreuzenden Radfahrern führte. Anstatt nun die Einmündung radfahrer-freundlicher zu gestalten, sei die Vorfahrtsregelung zugunsten der Autofahrer geändert worden. Hier wird eine Änderung zugunsten der Radfahrer und eine Fahrbahnverengung oder eine Verkehrsinsel vorgeschlagen.

Unfallgefahr durch kombinierte Fuß- und Radwege:

Insbesondere kombinierte Fuß- und Radwege beinhalteten ein hohes Maß an Unfallrisiko. Es wird vermutet, dass Radwege eher für Autofahrer, nicht aber für Radler angelegt würden, um diesen die Benutzung der Straße untersagen zu können.

Probleme im Kreisverkehr:

Die seit 5-10 Jahren an den Neu-Ulmer Kreisverkehren praktizierte Vorfahrtsregelung führe zu Unfällen. Mit der Wegnahme der Vorfahrt für Radfahrer sollten die Unfallzahlen reduziert werden, was nicht gelungen sei (Beispiel Allgäuer Ring sei weiterhin Spitzenreiter bei den Neu-Ulmer Fahrradunfällen). Die Umstellung wäre nur für die Autohaftpflichtversicherungen ein Gewinn, denn wenn der Radler am Unfall schuld ist, müssen sie nichts zahlen.
Kontrovers erörtert wird die Frage, ob Radfahrern verboten werden sollte, linksherum zu fahren, um Unfälle zu vermeiden. Dies wird von anderer Seite jedoch angezweifelt, da das „Linksherumfahren“ den Vorteil hätte, dass der (Auto-)Gegenverkehr so besser gesehen werden könnte. Auf Vorfahrtsregelungen sollten sich Radfahrer aber ohnehin nicht verlassen, da viele Autofahrer sich unberechenbar verhielten.

Der ideale Radweg:

Der ideale Radweg wird folgendermaßen beschrieben: breit, baulich vom Kfz-Verkehr getrennt, durchgängig befahrbar ohne Querungen.
Die idealen Straßen hierfür werden in Wohngebieten identifiziert, wo jeweils "Achsen" entstünden, die komplett vom Autoverkehr befreit seien und zu Fahrrad/Fußgänger/Spielstraßen würden.

Mehr Rad- bzw. Schutzstreifen:

Oft seien Radfahrstreifen bzw. Schutzstreifen (siehe z.B. Herdbrücke, Marienstr./Donaustr.) besser als bauliche Radwege, weil Radfahrer vom Autoverkehr besser gesehen würden und der Übergang auf die Fahrbahn (z.B. beim Abbiegen) unkomplizierter seien. In Ulm und Neu-Ulm gäbe es leider noch zu wenig von diesen sinnvollen Markierungen.

Eindeutigkeit/bessere Kennzeichnung von Radwegen:

Es wird angeregt, Radwege eindeutiger zu kennzeichnen. So sei z.B. der Weg vom Theater entlang der Neutorstraße für Fußgänger und Radfahrer getrennt, aber dennoch laufen Fußgänger häufig auf dem Radweg und Radfahrer sind auf dem Teil für Fußgänger unterwegs, so dass sich die Gruppen gegenseitig behinderten. Dies wäre gerade hier aber eher die Ausnahme von der Regel, weil der Gehweg an der Fahrbahnseite und der Radweg an der Häuserseite markiert seien, damit die Fahrgäste zur Bushaltestelle nicht den Radweg überqueren müssten.
So wird vorgeschlagen, den Radweg an solchen Problemstellen wie auch der Neuen Mitte deutlicher zu markieren oder mit rotem Belag zu versehen und das Radsymbol darauf öfter aufzubringen.

Angeregt wird darüber hinaus, dass die Fahrradwege bzw. zukünftigen echten Fahrradtrassen besser grün als rot zu kennzeichnen, da das blasse Rot kaum wahrgenommen würde.

Mehr Fahrradgaragen/Überdachte Parkplätze:

Insbesondere für den neuen Citybahnhof Ulm wird in Anlehnung an das Radhaus Ulm die Einrichtung von Fahrradgaragen angeregt. Diese seien praktisch, weil sie die Fahrräder gegen schlechtes Wetter und mutwillige Zerstörung schützten. Damit sie auch benutzt würden, sollten die Kosten nicht zu hoch sein.

Abgesehen von den Anschaffungskosten sei die Betreuung von Fahrradgaragen vergleichsweise günstig und unaufwendig. Es wird jedoch bezweifelt, dass die „Fahrradmüllhalde vorm Bahnhof verschwinden und vollends durch Garagen ersetzt werden“ könne. Im Zuge des neuen Citybahnhofs sei die Chance gegeben, mit einer kreativen und innovativen Lösung (z.B. eine Art von bemannter Tiefgarage mit angeschlossenem Servicebetrieb? Morgens abgeben, abends abholen, und bei Bedarf sind dann auch die Reifen wieder aufgepumpt...) überregional Vorbildcharakter einzunehmen.
Zudem werden mehr Fahrrad-Parkplätze mit Überdachung angeregt, die ebenfalls gegen Regen und Rost schützten.

Da Fahrräder viel weniger Platz beanspruchen, könnten diese preisgünstig unterirdisch verstaut werden, z.B. Münster: 3300 Plätze für 13 Mio DM. Die Auslastung in Münster sei gut und es wird gefragt, ob das auch eine Lösung für Ulm sei.

Die Stadt Ulm liefert darauf Informationen zu existierenden Fahrradgaragen. Die Mietkosten lägen bei 52 Euro im Jahr, das entspräche 1 Euro pro Woche. Anschaffungskosten liegen im gewünschten Design der Stadt bei ca. 1000 Euro/Stk., ohne Tiefbau. Ein Abstellkonzept für den Citybahnhof werde für den Realisierungswettbewerb von einem externen Büro explizit untersucht (momentan ca. 400 Stellplätze östlich und 400 Stellplätze westlich, für verschieden Nutzergruppen vorgesehen). Ein Servicebetrieb wurde vor einigen Jahren ausprobiert, habe sich leider nicht gerechnet.
Laut der Stadt Ulm werden dazu Ergebnisse für den Realisierungswettbewerb über ein externes Büro präsentiert werden. Derzeit liegen Ideenentwürfe vor und Ziel ist es am Citybahnhof für alle Verkehrsträger idealerweise zu verknüpfen.

Leihräder und Fahrradstationen:

Nach dem Vorbild anderer Städte wird die Einrichtung von Fahrradstationen mit Leihrädern vorgeschlagen. Oder in Anlehnung an das Stuttgarter Beispiel „Call a Bike“.

Anmerkungen der Stadt Ulm: In der aktuellen Beschlussvorlage für den Gemeinderat für die Sitzung im November soll ein finanzieller Betrag zur Implementierung eines konventionellen Fahrradverleihsystems bereitgestellt werden. Wenn der Beschluss bestätigt wird können wir für das Jahr 2013 die Ausschreibung vorbereiten.

Anmerkung der VEP-Projektgruppe: Der Verkehrsentwicklungsplan nimmt die Vorgaben aus dem Aktionsbündnis und dem Radverkehrskonzept Neu-Ulm auf. Eine weitere Zusammenführung bei der weiteren Radverkehrsplanung ist vorgesehen.

Zu dem vorgeschlagenen Angebot von Elektrofahrrädern in diesem Zusammenhang erwidert die Stadt Ulm: Der Einsatz von Pedelecs im geplanten Fahrradverleihsystem war ursprünglich eine Zielsetzung. Nach einer Abfrage von zahlreichen Firmen ist jedoch festzustellen, dass Verleihsysteme mit Pedelecs technisch noch nicht ausgereift und sehr teuer sind. Für die initiale Implementierung ist daher der Einsatz von Pedelecs nicht vorgesehen; eine spätere Erweiterung in das System ist nicht ausgeschlossen.

Sonstige Radprojekte:

Die Reparierbar:

Die Reparierbar stellt sich vor: eine Selbsthilfewerkstatt, welche der / dem
Fahrradinteressierten die Möglichkeit bietet, sein Fahrrad selbst wider auf Vordermann zu bringen. Das hierfür nötige Werkzeug und Know How werden gestellt. Die benötigten Ersatzteile können für eine Spende
aus ausrangierten Fahrrädern ausgebaut werden. Verschleißteile werden zu handelsüblichen Preisen angeboten oder können selbst mitgebracht werden. Die Reparierbar wiederum wünscht sich Unterstützung in Bezug auf Raum und Geld eine Betreuungskraft sowie Fundrädern und Material

Fixit-Stations:

In den USA gibt es in einigen Städten sogenannte fix-it stations, bei denen sich kleinere Reparaturen selber vornehmen und die Reifen aufpumpen lassen. Dies wäre auch für Ulm/Neu-Ulm vorstellbar. Zur Verhinderung möglicher Beschädigungen könnten Webcams im Aufnahmebereich aufgestellt werden, die gleichzeitig über Warteschlangen informieren.



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